29.01.2026

Warum Biodiversität und Wasser Grundpfeiler für die Zukunft der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sind und welche Lösungen es gibt.

Biodiversität und Wasser: Wie sie die Lebensmittel- und Getränkeindustrie stärken und welche Lösungen es für ihren Schutz gibt.

Warum Biodiversität und Wasser Grundpfeiler für die Zukunft der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sind und welche Lösungen es gibt.

Wie beeinflussen Biodiversität und Wasser die Zukunft der Lebensmittel- und Getränkeindustrie – und welche Lösungen gibt es?

In einer Welt, in der Umweltkrisen und Ressourcenknappheit zunehmend die Agenda bestimmen, sind Biodiversität und Wasser nicht nur entscheidende ökologische Faktoren, sondern auch wirtschaftliche Schlüsselressourcen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Diese beiden Themen sind eng miteinander verflochten und bieten nicht nur Chancen für eine nachhaltige Entwicklung, sondern sind auch unerlässlich, um die Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu sichern.

Biodiversität als Grundlage für Ökosystemleistungen und Lebensmittelsicherheit

Biodiversität ist nicht nur ein ästhetisches Gut der Natur, sondern eine unverzichtbare Grundlage für funktionierende Ökosysteme und ermöglicht somit die Lebensmittelproduktion. Verschiedene Arten spielen eine zentrale Rolle in:

  • Bestäubung: Viele landwirtschaftliche Erzeugnisse sind auf Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge angewiesen. Ohne eine vielfältige Artenvielfalt würden die Erträge vieler Kulturen deutlich zurückgehen.
  • Bodenfruchtbarkeit: Verschiedene Bodenorganismen tragen zu Nährstoffkreisläufen bei und fördern die Bodenstruktur, was die Produktivität erhöht.
  • Regulation von Schädlingen und Krankheiten: Eine gesunde Artenvielfalt hilft dabei, die Zahl von Schädlingen zu regulieren und den Einsatz von Pestiziden zu verringern.
  • Genetische Vielfalt: Durch den Erhalt genetischer Vielfalt in Pflanzen und Tieren können landwirtschaftliche Erzeugnisse robuster gegenüber Krankheiten und klimatischen Veränderungen werden - außerdem wäre es doch langweilig immer dasselbe zu essen.

Politische Rahmenbedingungen und Strategien zur Förderung der Biodiversität

In Deutschland hat der Gesetzgeber die Bedeutung der Biodiversität für die Landwirtschaft erkannt. Nationale Strategien, wie die Biodiversitätsstrategie der Deutschen Bundesregierung, fordern Unternehmen zu einer nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt auf. Zusätzlich setzt die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 einen klaren Rahmen für den Schutz der Biodiversität in Europa, mit der Verpflichtung, mindestens 30 % der Land- und Meeresflächen in Europa unter Schutz zu stellen und die Wiederherstellung von Ökosystemen zu fördern. 

Die Lösungen liegen auf der Hand

Zur Erreichung dieser Ziele ist es entscheidend, die Funktionen der Ökosysteme und die damit verbundenen Ökosystemleistungen zu verstehen, insbesondere in Bezug auf die Landwirtschaft und ihre Abhängigkeit davon. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die strukturelle Diversität, die einen bedeutenden Beitrag zur Förderung der Biodiversität leistet. Die Schaffung von Biotopen und natürlichen Korridoren, wie Hecken, Offenlandschaften oder Wäldern, hilft die Fragmentierung von natürlichen Lebensräumen zu überwinden.

Eine weitere effektive Lösung, um die Biodiversität zu stärken, ist die Aufforstung von bestimmten Flächen mit einem standortangepassten Mix an Laubbaumarten anstelle von Monokulturen. Wälder bieten nicht nur Rückzugsorte für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, sondern erfüllen auch wichtige Funktionen, z.B. als Windbremse und Wasserregulierer. Sie speichern überschüssiges Regenwasser, reduzieren Verdunstung und tragen so zur Stabilisierung des lokalen Klimas bei. Darüber hinaus fördern sie das Grundwasser, indem sie Wasser speichern und dieses langsam an die Umwelt abgeben, was die langfristige Wasserversorgung in der Umgebung sichert.

Wasser als entscheidender Produktionsfaktor

Wasser ist in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie eine essentielle Ressource – von der Bewässerung der Felder über die Produktion und Verarbeitung bis hin zur Qualitätssicherung und Verpackung.

Konkret heißt das:

  • In der landwirtschaftlichen Produktion:72 Prozent des weltweit genutzten Süßwassers wird für die Produktion von Nahrungsmitteln verwendet. Besonders die Entnahme von Grundwasser ist kritisch zu betrachten: In vielen Regionen der Welt wird Grundwasser übermäßig entnommen, obwohl gleichzeitig entwässert wird.
  • In der Verarbeitung: Die Herstellung von Lebensmitteln und Getränken erfordert eine hohe Wasserqualität in großen Mengen, welches jedoch in vielen Fällen nicht mehr sauber in den Kreislauf zurückgeführt wird.
  • Für Hygiene und Reinigung: In der Lebensmittelproduktion spielt Wasser eine zentrale Rolle in der Reinigung und Qualitätskontrolle. Auch hier entstehen gesellschaftliche Kosten durch die aufwändige Aufbereitung des Wassers.

Die Verunreinigung von Wasser stellt eines der größten globalen Probleme dar, da sie durch landwirtschaftliche Praktiken wie den Einsatz von Dünger und Pestiziden aber auch industrielle Abfälle wie PFAS und Chemikalien sowie Abwasserbelastungen wie Arzneimittelreste und Plastikmüll verursacht wird. Diese Verschmutzung gefährdet nicht nur die Gesundheit von Menschen und Tieren, sondern führt auch zu gravierenden ökologischen Schäden, wie Eutrophierung und dem Verlust der Artenvielfalt in Gewässern.

Jeder Engpass, der durch Trockenheit, verschmutzte Wasserquellen oder unvorhersehbare klimatische Bedingungen entsteht, hat unmittelbare Auswirkungen auf die Produktionskette. Daher gilt es in Technologien zu investieren, die den Wasserverbrauch effizienter gestalten und Ressourcen in allen Phasen des Produktionsprozesses schonen. Auch die Qualität von Wasser ist von Bedeutung. Durch den Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen und die Reduzierung von Abwassermengen können Unternehmen nicht nur ihre Produktqualität garantieren, sondern auch das Vertrauen ihrer Kunden bewahren.

In Deutschland zieht die Nationale Wasserstrategie der Regierung Unternehmen klar zur Verantwortung. Außerdem umfasst die EU-Wasserresilienzstrategie Maßnahmen zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung und setzt Zielvorgaben für die Verbesserung der Wasserqualität in den Mitgliedstaaten. 

Wie Moore und andere Ökosysteme für Wasser- und Biodiversitätsschutz angepasst werden können

Biodiversität und Wasserressourcen sind eng miteinander verknüpft. Landwirtschaftliche Praktiken, die die Wasserverfügbarkeit in einem bestimmten Gebiet beeinträchtigen, können die Artenvielfalt erheblich verringern. Umgekehrt können gesunde Ökosysteme wie Feuchtgebiete und Wälder die Wasserqualität verbessern und gleichzeitig Lebensräume für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren bieten.

Moore beispielsweise sind ein besonders wertvolles Feuchtgebiet und spielen eine Schlüsselrolle im Schutz der Biodiversität und der Wasserressourcen. Die Nationalen Moorschutzstrategie soll in Deutschland hierzu einen Rahmen bieten. Obwohl Moore nur ca. 5 % der Fläche Deutschlands einnehmen, verursachen sie etwa 7,5 % der Treibhausgasemissionen. Daher ist es entscheidend, den Wasserstand der Moore anzuheben, um ihre natürlichen Funktionen wiederherzustellen:
Darüber hinaus unterstützen Moore lokale Lieferketten, da sie die Wasserverfügbarkeit und Bodenfruchtbarkeit sichern – essentielle Faktoren für die Produktion von Lebensmitteln und Getränken. Unternehmen profitieren somit direkt von der Renaturierung, indem sie Risiken durch Wassermangel, Ernteausfälle oder Qualitätsprobleme minimieren und gleichzeitig ihre Nachhaltigkeitsziele stärken.
Der Schutz und die Renaturierung von Mooren sind daher eine zentrale naturbasierte Lösung, die sowohl die Biodiversität fördert, die Wasserressourcen sichert, als auch die Stabilität und Resilienz von Produktions- und Lieferketten unterstützt. 

Fazit

  • Biodiversität und Wasser sind entscheidend für die Resilienz und Effizienz der Lieferketten in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie.
  • Die Gesundheit von Ökosystemen und Wasserressourcen beeinflusst direkt die Verfügbarkeit von Rohstoffen und die Stabilität der Produktion.
  • Unternehmen, die diese natürlichen Ressourcen in ihre Strategien integrieren, können:
    • Risiken mindern
    • Wettbewerbsfähigkeit stärken
    • Zur Erreichung globaler Nachhaltigkeitsziele beitragen

Es ist an der Zeit, Natur als integralen Bestandteil der Lieferketten zu benennen und ihre Erhaltung als langfristige Unternehmensstrategie zu fördern.

Quellen

FAO, The State of the World’s Biodiversity for Food and Agriculture
Europäische Kommission, EU-Biodiversitätsstrategie 2030
Böll, Wasseratlas
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Nationale Biodiversitätsstrategie. 
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Moorschutz 
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Nationale Wasserstrategie.
Europäische Kommission, Wasser
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Wildbienen: Arten, Schutz und Bedeutung

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