16.04.2026

Kleine Gewässer, große Wirkung!

In diesem Blog erfahren Sie warum der zunehmende, klimawandelbedingte Verlust von Kleingewässern Biodiversität, Wassersicherheit und Ökosystemresilienz bedroht.

Kleine Gewässer, große Wirkung!

Die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels manifestieren sich in Deutschland immer deutlicher durch extreme Wasserzyklen, von langanhaltender Dürre bis hin zu verheerendem Hochwasser. Doch inmitten dieser Herausforderungen bieten unscheinbare Kleingewässer eine entscheidende naturbasierte Lösung: Sie fungieren als dezentrale Speicherpunkte, die diese schwankenden Extreme wirksam abmildern.

Was ist ein kleines Stillgewässer?

Kleingewässer wie Tümpel, Fisch- und Löschteiche, Gruben, Moore oder kleine Seen sind kleinflächige (oft weniger als 1 Hektar), meist stehende oder schwach durchströmte Gewässer von geringer Tiefe (unter 5 Meter). Es wird geschätzt, dass in Europa im letzten Jahrhundert zwischen 50 und 90 Prozent der Kleingewässer verschwunden sind. Sie sind jedoch nicht nur Anziehungspunkte in der Landschaft, sondern erfüllen auch wichtige Funktionen: Sie dienen als Wasser- und Stoffspeicher und fungieren als Trittsteine im Biotopverbund. Vor allem sind sie wichtige Lebensräume für viele Pflanzen- und Tierarten, darunter zahlreiche gefährdete Amphibien.

Kleine Gewässer sind Hotspots der Biodiversität

Trotz ihrer geringen Größe sind natürliche und naturnahe Kleingewässer Hotspots der biologischen Vielfalt. Sie gelten als „kleine Oasen“ in der umgebenden Landschaft. Ihr Beitrag zur regionalen Süßwasservielfalt ist nachweislich der höchste aller Binnengewässer, da sie bis zu 70 Prozent des regionalen Süßwasserartenpools in europäischen Landschaften beherbergen.


Haben Sie gewusst?
Besonders Amphibien sind bedroht durch den Klimawandel. Viele Frösche, Kröten, Molche und Salamander sind in besonderem Maße von kleinen stehenden Gewässern abhängig, da sie diese zur Fortpflanzung nutzen. Die Populationsentwicklung dieser Arten zeigt eindrücklich, wie Landnutzung und Klimawandel die Artenvielfalt in diesen Systemen beeinflussen. Das Verschwinden von Kleingewässern hat eindeutig zum Zusammenbruch dieser Populationen beigetragen, was in der aktuellen Roten Liste der Amphibien in Deutschland dokumentiert wird.

Gesetzeslage in EU und Deutschland

Kleine Stillgewässer genießen in der Wasser- und Gewässerpolitik wenig Beachtung, da sie nicht unter die Berichtspflicht der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fallen (diese gilt erst ab 50 Hektar). Dennoch sind sie rechtlich relevant. 

  • Die europäische WRRL wird in Deutschland durch das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) umgesetzt, in dem die Unterhaltung und Entwicklung von Oberflächengewässern als öffentliche Aufgabe festgelegt ist (§ 39). Dies dient explizit dem Erhalt und der Förderung der ökologischen Funktionsfähigkeit als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
  • Sie sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§§ 28–32) geschützt, oft in Kombination mit dem Artenschutz, um Zielarten wie seltene Amphibien, Libellen und Kiemenfußkrebse zu sichern.
  • Die Ramsar-Konvention hat beschlossen, kleine Gewässer als Schutzziele aufzunehmen.

Klimawandel und Kleingewässer in Deutschland

Mit dem fortschreitenden Klimawandel steigt die Wasserknappheit in Deutschland, wodurch Kleinstgewässer – wichtige Mikrohabitate – besonders unter Druck geraten. Stehende Kleingewässer sind in Deutschland regional unterschiedlich verteilt. Bayern beispielsweise ist reich an solchen Biotopen.

Kleingewässer und Klimawandel führen zu erhöhten Risiken

Durch die Erwärmung und in Kombination mit hohen Nährstoffkonzentrationen erhöht sich der Sauerstoffstress, da weniger Sauerstoff zur Verfügung steht und der Sauerstoffbedarf der Organismen jedoch steigt. Zeitweise temporäre Austrocknung aufgrund von Hitzeperioden und mangelndem Niederschlag kann dazu führen, dass der Lebenszyklus verschiedenster Lebewesen nicht vollendet werden kann. 

Kleingewässer als Nature Based Solutions

Die Wiederherstellung, Verbesserung und Neuanlage von Kleingewässern ist eine wichtige Nature-based Solution (NBS), eine sogenannte naturbasierte Lösung zur Steigerung der Ökosysteme Resilienz und Klimawandelanpassung.

Hierbei ist bei den gesetzten Maßnahmen zu beachten, dass es auf die Dichte der Gewässer ankommt. Für wirksame Schutzmaßnahmen ist es entscheidend, den Schwerpunkt auf eine große Anzahl von kleinen Stillgewässern in einer Landschaft zu legen, anstatt nur einzelne Standorte zu schützen.
Teiche tragen selbst zur Wasserreinigung und Wasseranreicherung bei. Das Anlegen und Wiederherstellen von Kleingewässern, kombiniert mit Landnutzungsmanagement und Entsiegelung, schafft bessere Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung von NBS. Die höhere Zahl kleiner Standgewässer verbessert indirekt deren Funktionsweise und Ökosystemleistungen durch eine bessere Vernetzung und positive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt.

Test

Anlegen von Waldteichen im Spessart, Unterfranken, Bayern

Das von EcoTree initiierte Projekt im Spessart ist eine strategische Intervention, um dem Verlust der Biodiversität sowie kritischen Wasserproblemen, insbesondere Wasserknappheit und Überschwemmungen, in Bayern entgegenzuwirken. Durch die Schaffung eines Netzwerks von Feuchtbiotopen (Waldteiche, Feuchtwiesen, Überschwemmungsgebiete) werden Wasser-, Biodiversitäts-, Resilienz- und Klimaziele gleichzeitig adressiert.

Das Projektgebiet liegt im 3.350 Hektar großen Forst-Gebiet der Juliusspitalstiftung(JSF) in Unterfranken. Die geplanten Aktivitäten umfassen das Ausheben von mehreren Kleingewässern auf einer Fläche von insgesamt ca. 5 Hektar, mit dem Ziel, permanente Feuchtwiesen in der Umgebung zu schaffen.

Strategische Vorteile und Nutzen für das Main-Einzugsgebiet

  • Grundwasserneubildung: Die Feuchtbiotope erhöhen die Infiltration und laden die Grundwasserleiter auf. Sie stabilisieren die Wasserverfügbarkeit und sichern konstante Grundwasserführung.
  • Hochwasserrisikominderung: Die Feuchtgebiete erhöhen die Wasserrückhaltekapazität und reduzieren den Oberflächenabfluss bei Starkregen. Sie fungieren als dezentrale Speicherpunkte, die extreme Wasserzyklen abmildern: Bei Hochwasser halten sie überschüssiges Wasser zurück; bei Dürreperioden geben sie Wasser allmählich in den Grundwasserleiter oder direkt in Bäche ab. Die Lage des Projekts verbessert direkt die Retentionsfähigkeit der Sinn und Schondra Flüsse und reduziert signifikant das Hochwasserrisiko für nahegelegene Gemeinden.
  • Wasserqualitätsverbesserung: Die Biotope filtern Schadstoffe auf natürliche Weise durch die Feuchtgebietsvegetation und -böden, reduzieren Sedimente und fangen Verunreinigungen ab, was zu saubererem Wasser beiträgt.
  • Erhöhte Resilienz und Klimaschutz: Die Feuchtbiotope verhindern Bodenerosion, verbessern den Nährstoffkreislauf und speichern große Mengen Kohlenstoff, was die Rolle des Ökosystems bei der Eindämmung des Klimawandels stärkt. Durch die Pufferung gegen Umweltstressoren erhöhen sie die Erholungsfähigkeit des Waldes nach Störungen.
  • Biodiversitätsförderung: Das Projekt verbessert die Habitatqualität für Schlüsselarten wie den Schwarzstorch, dessen Vorkommen in einem zusammenhängenden Waldgebiet von ca. 7.500 Hektar in Deutschland eine Seltenheit darstellt.

Das Spessart-Projekt ist eine strategische Investition in die Wassersicherheit des Main-Einzugsgebiets und bietet kosteneffiziente Skalierbarkeitschancen mit langfristigem Nutzen und Wirkung. 

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