09.06.2026
Wasser braucht die Landschaft!
Warum sinkt der Grundwasserspiegel in Berlin-Brandenburg? Und was haben Moore damit zu tun? Ein Blick auf naturbasierte Lösungen im Spreewald.

Die Welt steht vor einem Wasser-Bankrott (UN-Bericht 2026). Betroffen ist auch die Region Berlin-Brandenburg, die in Zukunft mit Wasserknappheit rechnen muss. Dies hat mehrere Gründe. Wir möchten in diesem Blog dies näher beleuchten und zeigen: Manche Lösungen gibt es bereits, man muss ihnen nur (wieder) Beachtung schenken.
Eine Region unter Druck
Ein UN-Bericht vom Anfang dieses Jahres warnt vor einem globalen Wasser-Bankrott. Wasser ist entweder zu knapp, zu viel oder zu verschmutzt und Deutschland ist keine Ausnahme. Besonders die Region Berlin-Brandenburg steht vor einer wachsenden Wasserkrise: Dürren kommen früher, Sommer werden trockener, und der Wasserstand der Spree sinkt.
Das war nicht immer so. Historisch gesehen war Brandenburg eine Mosaiklandschaft aus Feuchtgebieten, Mooren und Auenwiesen, die ermöglichten, dass Wasser in der Landschaft gehalten wird. Heute zählt die Region zu den am stärksten wassergestressten Gebieten Deutschlands, besonders die Senkung des Grundwasserspiegels ist ein Problem: Dies ist insbesonders für die Stadt Berlin mit ihren fast 4 Millionen Einwohner wichtig, da der Großteil des Wassers für die öffentliche Wasserversorgung und der größte Teil des Brauchwassers aus dem Grundwasser des Stadtgebietes gewonnen wird.
Warum das Wasser verschwindet
Die Gründe für den Grundwasserverlust sind vielschichtig, wie eine Studie aus 2025 zeigt. In Berlin und Brandenburg treffen gleich mehrere Belastungsfaktoren aufeinander: Der Klimawandel führt durch geringere Niederschlagsmengen und hohe Verdunstungsraten zu sinkender Grundwasserneubildung. Ostdeutschland gehört zu den am stärksten betroffenen Regionen in Deutschland. Auch auf Grund der Begradigung der Spree ist nur eine reduzierte natürliche Wasserpufferzone um den Fluss vorhanden: Das Flusswasser wird heute direkt in Richtung Meer geleitet. Gleichzeitig steigt der Entnahmedruck von mehreren Seiten: durch die öffentliche Trinkwasserversorgung der wachsenden Hauptstadtregion und durch die Landwirtschaft in zunehmend häufigeren Dürrejahren beispielsweise. Der Bergbau hat die Wasserkreisläufe der Lausitz über Jahrzehnte zusätzlich verändert. Mit dem Kohleausstieg entfällt eine künstliche Grundwassereinspeisung aus den Bergwerken in die Spree, die Berlin unter Druck setzt: Denn dort macht in Trockenzeiten das Lausitzer Grundwasser einen Großteil des Durchflussvolumens der Spree aus. Diese wiederum ist zentral für die Berliner Trinkwasserversorgung. Eine Gemengelage, die langfristig eine grundlegende Neuausrichtung der regionalen, aber auch überregionalen Wasserwirtschaft erfordert.
Ein weiterer, wenn auch auf ersten Blick, unscheinbarerer, Schlüssel zum Verständnis der Krise liegt in einem fast vergessenen System: den sogenannten Zirren. Diese flachen, saisonalen Wasserkanäle überfluteten einst alljährlich die Niedermoorflächen im Spreewald, einem großflächigen feuchten Waldgebiet südlich von Berlin, und erfüllten dabei eine Funktion, die heute dringender denn je gebraucht wird, besonders im Hinblick der durch Regulierungen teils verschwundenen Auenlandschaften: Wasser in der Landschaft zurück zu halten.
Die meisten dieser Kanäle verfielen jedoch. Was wie ein Detail der Landschaftsgeschichte klingt, hat weitreichende Folgen: für Wasserhaushalt, Klima und Artenvielfalt.
- Natürlicher Puffer: Die Spree verliert einen natürlichen Puffer im Spreewald.
- Klimawandel: Trockener Torf setzt gespeichertes CO₂ frei. Eine natürliche Klimasenke wird zur Emissionsquelle.
- Artensterben: Die Amphibienpopulationen in Brandenburg sind in nur 30 Jahren um bis zu 80 % eingebrochen: flache, saisonale Gewässer, die Rotbauchunken, Moorfrösche und Kammolche zur Fortpflanzung brauchen, sind gefärdet.
- Vogelwelt: Kiebitz und Bekassine verschwinden aus den Feuchtwiesen, die sie als Brutplatz benötigen.
Was es nun gilt zu tun: Natürliche Wasserpuffer stärken
Um dem wachsenden Wasserstress entgegenzuwirken, braucht es gezielte Maßnahmen zur Stärkung natürlicher Wasserpuffer durch humusreiche Böden, naturnahe Wälder, strukturreiche Auen und nasse Moore, die Niederschläge in der Landschaft halten statt abfließen zu lassen.
Genau hier setzt das EcoTree Barzlin-Projekt an: Auf rund 146 Hektar Moorgebiet am im Oberspreewald legen wir ein bestehendes Kanalnetz wieder frei durch das Entfernen von Vegetation und Sediment, damit Wasser wieder langsam über die Moorflächen strömen kann.
Diese periodische Überflutung bewirken, dass...
- Wasser gehalten wird.
- Amphibien Laichgewässer angeboten werden können.
- die Landschaft als natürlichen Wasserspeicher reaktiviert wird.
Lokal verankert und übertragbar
Das Projekt im Barzlin, Spreewald, ist mehr als eine lokale Maßnahme. Es zeigt, wie naturbasierte Lösungen auf bestehenden Strukturen aufbauen können kosteneffizient, skalierbar und mit messbarem Nutzen für Klima, Wasser und Biodiversität.
